Donnerstag, 18. Juli 2013

Morbus Sudeck oder Complex Regional Pain Syndrome (CRPS)

Komplexes regionales Schmerzsyndrom
Als ehemalige Sudeck Betroffene habe ich allen, die aktuell unter einem Sudeck leiden in erster Linie dies zu sagen: Lasst euch auf keinen Fall einreden, die Krankheit sei psychisch bedingt, enstehe aufgrund depressiver Veranlagung oder finde lediglich in eurem Kopf statt. Nein, die Krankheit ist sehr real und findet im traumatisierten Gelenk statt. Die Krankheit ist oft sehr langwierig und äusserst schmerzhaft. Ihr geht in der Regel ein Trauma voraus (Verletzung, Operation).

Was ist der Morbus Sudeck?
Ich habe von meinen Ärzten folgende Erklärung zum Morbus Sudeck erhalten: Durch eine lokale Durchblutungsstörung wird das betroffene Gelenk nicht mehr mit den nötigen Nährstoffen versorgt. Es handelt sich also um eine Stoffwechselstörung. Es kommt zu einem entzündlichen Prozess. Davon sind sowohl die Weichteile betroffen (Muskeln, Nerven, Sehnen) als auch der Knochen (Knochennekrose).

Wie behandle ich den Morbus Sudeck?
Obwohl es keine Standardtherapie gibt, können die einzelnen Krankheitsaspekte mit bewährten Mitteln geheilt werden. Ich kann allerdings nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten.

Knochennekrose
Für die Behandlung der Knochennekrose war ich bei einem Endokrinologen (Facharzt für Hormon- und Stoffwechselstörungen). Dieser führte eine Bisphosphonat-Therapie durch. Ich erhielt das Medikament intravenös einmal pro Woche über mehrere Wochen. Der Erfolg stellt sich erst nach ca. 12 Wochen ein. Der Schmerz geht jedoch eindeutig zurück, da die Knochnekrose den schmerzhaftesten Teil der Erkrankung darstellt. Die besten Heilungschancen bestehen im ersten Stadium des Sudeck. Ich war bereits im zweiten Stadium, hatte trotzdem einen guten Heilungserfolg.

Weichteilentzündung
Die Weichteilentzündungen wurde parallel zur Behandlung der Knochennekrose mit den Entzündungshemmern Methotrexat und zu einem späteren Zeitpunkt Arava behandelt. Die Behandlung erfolgte durch einen versierten Rheumatologen. Methotrexat ist heute ein häufig eingesetztes Basismedikament, welches bei rheumatischen Erkrankungen angewendet wird. Das Medikament wird einmal pro Woche subkutan (unter die Haut) injiziert. Methotrexat kann auch in Tablettenform eingenommen werden. Es handelt sich um ein starkes Medikament und Aufklärung durch den Arzt ist unbedingt erforderlich. Auch ist eine reglmässige Kontrolle der Leberwerte nötig. Das Medikament sollte über einen längere Zeitraum eingenommen werden, um seine Wirkung zu entfalten. Mir hat es sehr geholfen.

Schmerzbehandlung
Einer der wichtigsten Aspekte zur Bekämpfung der Krankheit ist die Wiederherstellung der Beweglichkeit. Die starken Schmerzen sind dabei hinderlich. Mir wurde parallel zu den anderen Massnahmen jeweils einmal pro Woche Morphin intraartikulär (direkt ins Gelenk) injiziert. Diese Methode ist wirksamer, besser verträglich und wirkt einer potentiellen Abhängigkeit entgegen. Die Morphin-Therapie wurde über einen längeren Zeitraum durchgeführt, sodass gezielte Krankengymnastik möglich war. Die Spritzen sind nicht schmerzfrei, es empfiehlt sich daher vorab den Einstichkanal zu betäuben.

Beweglichkeit 
Ein wichtiger Aspekt ist die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke. Leider war bei mir die Physiotherapie kontraproduktiv. Nach jeder Behandlung stellten sich über mehrere Tage starke Schmerzen ein. Ich habe mich daher selbst um die Mobilisierung des Gelenks gekümmert und mir einige Tipps vom Rheumatologen bezüglich geeigneter Übungen geholt. Ich hatte sehr schnell grosse Forschritte zu verzeichnen. Es ist wichtig mit einfachen Übungen zu beginnen, je nach Schmerzhaftigkeit. Anfangs genügt es die Muskeln anzuspannen. Ist die Schmerzhaftikeit geringer folgen weitere Übungen. Es ist sinnvoll, die Übungen in Intervallen durchzuführen. Kurze Übungsphasen im Wechsel mit Ruhepausen. Dies in Wiederholungen über den ganzen Tag verteilt. Es gilt zwischem dem "guten" und dem "schlechten" Schmerz zu unterscheiden. Gemäss meinem Rheumatologen gilt die Regel: Ist die volle Beweglichkeit wieder hergestellt, verschwindet auch der Sudeck.  

Aktive Beteiligung am Heilungsprozess
Wer informiert ist, kann handeln. Ich habe mich während des gesamten Krankheitsverlaufs im Internet, bei Ärzten, Therapeuten, Verwandten und Bekannten über die Krankheit informiert und Behandlungsmethoden für andere chronische Erkrankungen erfragt. Die Behandlung mit Methotrexat habe ich meinem Rheumatologen selbst vorgeschlagen, da das Medikament bei einer Bekannten mit rheumatischer Arthritis äusserst hilfreich war. Ihr dürft eure Ärzte fordern, mitdenken und mitreden. Ein aktiver Patient ist ein guter Patient.


Schlusswort
Ich habe gut 1 1/2 Jahre gebraucht um die Krankheit zu besiegen. Ich habe, mit minimalen Einschränkungen, die volle Beweglichkeit wieder erreicht. Ein überstandener Sudeck bedeutet lebenslanges Training. Ich hatte den Sudeck im Kniegelenk und absolviere jeden Tag meine kleine Trainingseinheit auf dem Hometrainer um die Durchblutung des Gelenks und den Muskelaufbau zu fördern. Die Behandlung eines Sudecks respektive CRPS braucht viel Geduld und Kraft. Diese wünsche ich allen Betroffenen von ganzem Herzen. Nicht aufgeben, auch wenns oft extrem schwierig ist. Eine positive Einstellung treibt den Heilungsprozess voran. Ich bin sicher, ihr seid stärker als der Sudeck.

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